Samstag, 29. Oktober 2016

Geschichtskrtische Betrachtungen aus dem Blickwinkel eines Mormonen (6) "Zweites Jahrhundert" Gerd Skibbe

2.      Zweites Jahrhundert
2.1   Organisationsformen der Frühen Kirche und der sie beseelende Geist
       2.2  Heutige kirchliche Strukturen und dominierende Interessen.

       Es gab zwölf von Christus ordinierte Apostel. Drei von ihnen wurden, nach dem Tod des Erlösers  laut Galaterbrief als „Säulen“ oder Träger der höchsten Verantwortung anerkannt. (1) Galater 2: 9 Petrus, Jakobus und Johannes. Das in Erinnerung zu rufen ist nicht unwichtig, denn Rom behauptet Linus sei der zweite Papst nach Petrus gewesen, Anaklat der dritte und so fort. Während dieser Zeit der angeblichen obersten Führerschaft in der Kirche durch Päpste, lebte jedoch noch die „Säule“ Johannes  in Ephesus. Nach dem Tod des Petrus und des Jakobus stand ihm die Präsidentschaft zu. Er blieb Erster über sämtliche Bischöfe. Niemand war berechtigt ihm diese Führungsrolle abzusprechen, schon gar nicht ein Mann namens Linus von dem man bekanntlich nichts, überhaupt nichts weiß.
        Solche Feststellung sagt nicht, dass es in Rom damals keine ehrenwerten Bischöfe gab. Es bedeutet auch nicht, dass damit die biblische Geschichtsschreibung in Frage gestellt  wird, die vatikanische sehr wohl. Alles  war damals anders.

       Es gab in der Frühkirche Siebziger, und dreiköpfige ehrenamtlich arbeitende Bischofschaften, sowie Älteste die in Kollegien innerhalb ihrer Gemeinden wirkten. Diese Strukturen wurden bald durch zuvor unbekannte ersetzt. Die Ämter Priester, Diakone und Missionare blieben bewahrt, allerdings änderten sich deren Funktionen.

       Der Bischof, zivil gekleidet, leitete die Gemeinde. In den ersten dreihundert Jahren sind, wie Grabungen erwiesen, diese Gemeinden klein wie die Räume in denen die Gläubigen sich versammelten. Kreuze kamen nicht vor. Die Abendmahlsgeräte waren schlicht. Zeremonien gab es nicht.

      „Wie primitiv noch die Gotteshäuser im Anfang des III. Jahrhunderts waren, können wir am besten aus dem Bericht des Lampridius, vita Alex. 49, g entnehmen. Danach bewarben sich unter Alexander Severus (im Jahr 230) die Christen um einen öffentlichen Raum, auf den nur noch die Garköche Anspruch erhoben.“(2)  Jungklaus, Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts ...nach seiner Kirchenordnung
       „Selbst in Rom ... mit dem absolut größten Anteil von Christen an der Bevölkerung lässt sich bis heute kein einziger christlicher Versammlungsort für die Zeit vor der konstantinischen Wende (um 325) nachweisen .... (3) Christoph Müller, Inaugural Dissertation Albert-Ludwig-Universität in Freiburg „Kurialen und Bischof...“ 2003

     Für Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) ist es interessant zu hören, dass in Rom um 220, wie in ihren eigenen Gemeinden

    „…an der Seite des Bischofs zwei Ratgeber stehen. sowie das Ältestenkollegium...“ (4) Jungklaus, Kirchenordnung “Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner Kirchenordnung

     Hippolyt legte weiter  dar:

„... (Wenn es sich) um eine auszuübende Kirchendisziplin handelte... bildete der Bischof mit dem Presbyterkollegium (Ältestenkollegium) das Richterkollegium... Der Bischof ist bei jeder Taufe, bei jedem Abendmahl und bei Ordinationen anwesend... die Diakone besuchen jene Kranken und Alten die der Bischof nicht erreichen kann, aber sie erstatten ihm einen Bericht.“ (5) ebenda

      „(nach Tertullian „(vgl. de bapt.18) ist (die Taufe) bis dahin keine Taufe von Säuglingen, sondern von reiferen Kindern oder Erwachsenen durch Untertauchung). In der Frühzeit wurden nur Erwachsene getauft“ (6) Anton Grabner-Haider-Maier „Kulturgeschichte des frühen Christentums“ Vandenhoeck & Ruprecht

       Wieder ist es spiegelbildlich: Mormonen taufen nur reifere Kinder und auch bei ihnen ist der Bischof ein Richter (in innerkirchlichen Belangen). Wörtlich:

„Der Bischof (einer „Mormonengemeinde) ist ein Richter.“ (7) Lehre und Bündnisse 64: 40

       Gemeinsam mit seinen Ratgebern und Mitgliedern des Ältestenkollegiums bilden sie da wie hier das Richterkollegium, das allerdings weder Übertretungen vergeben darf, noch andere als die Strafe des Gemeinschaftsentzugs oder in schweren Fällen des Kirchenausschlusses verhängen darf. Die bürgerliche Rechtsprechung wurde und ist davon nicht berührt.
Sehr unwahrscheinlich ist, dass in den ersten beiden Jahrhunderten würdigen Männern das Priestertum vorenthalten wurde, denn in Christus waren sie Gleiche, potentielle Miterben.
       Die frühe Kirche kannte und respektierte  ein niederes Priestertum, das aaronische, oder levitische, sowie die höhere Stufe, das Priestertum nach der Ordnung Melchizedeks. (8) (9) Hebräer 5: 5-6 „…niemand nimmt sich selbst die Ehre, sondern er wird berufen von Gott gleichwie Aaron. Also auch Christus hat sich nicht selbst in die Ehre gesetzt, dass er Hoherpriester würde, sondern der zu ihm gesagt hat: "Du bist mein lieber Sohn, heute habe ich dich gezeuget." Wie er auch am andern Ort spricht: "Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks."
        (9) Chr. Müller „Kurialen und Bischof, Bürger und Gemeinde in der gallischen Stadt des 4. bis 6. Jahrhunderts“ 2003: „Petronius´ letztem Willen zufolge sollte ihm sein Bruder Marcellus, Mitglied des dortigen Klerus und bereits mit den Weihen eines Leviten versehen, nachfolgen.“

       Papstwappen zeigen sowohl den silbernen wie den goldenen Schlüssel des Priestertums, die kaum anders als im Sinne zweier Rangstufen verstanden werden können:
Wappen des Papstes Franziskus

       Niemand der einer Gemeinde diente erhielt Lohn für seine Arbeit, ausgenommen jemand beanspruchte die Rückzahlung einer persönlichen Auslage.
       Noch im Jahr 220 tadelte der römische Bischof Hippolyt Rom die ebenfalls römische Gemeinde der Theodotianer  die ihrem Bischof ein Gehalt zahlte,  dies sei eine „gräuliche Neuerung“ (10) Jungklaus, Full Text of: „Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner Kirchenordnung“  Erst mit der Inkraftsetzung konstantinischer Regelwerke änderte sich das.
       Mit Konstantin kam der privilegierte Klerikerstand hervor.
Vor 319 hatte niemand den Bischofsstuhl ‚bestiegen’. Der erwählte Mann wurde auf Weisung eines „Primus“ durch andere Bischöfe eingesetzt, nachdem die betreffende Gemeinde ihre Zustimmung zu dieser Berufung – wahrscheinlich durch Erheben der rechten Hand – gegeben hatte. Inthronisierungen gab es erst nach Nicäa. Danach kam es zu regelrechten Wettrennen um einen Bischofssitz. Dieser erschien gewissen Bewerbern immer lukrativer zu werden:

„Konstantin (hatte 325) die Verfügung getroffen, Angehörige des Klerikerstandes generell von curialen Lasten zu befreien, das dürfte einige der Curiales (den Stadtadel) dazu verführt haben, die städtischen Verpflichtungen abzustreifen und eine Position im Klerikerstand anzustreben… Kleriker dürfen zudem staatliche Unterstützung, wie Getreidezuwendungen in Anspruch nehmen.“ (11) Alexander Demandt „Diokletian und die Tetrarchie – Aspekte einer Zeitenwende“
Solcher Paradigmenwechsel musste dem Geist der Kirche schaden.

Wäre es nicht so traurig, man könnte darüber lachen, sich vorzustellen wie ein paganer Großreeder eines Morgens erwacht und nach schlimmen Albträumen ausruft: „Heureka!  Ich lasse mich taufen.“ Seine Frau wird ihn gefragt haben ob er verrückt geworden sei. „Deine Senatoren werden dich schneiden. Christen werden Leute die nicht alle Tassen im Schrank haben!“
„Nein, mein liebster Schatz!  Sie werden sich grün ärgern, dass nicht sie sondern ich zuerst auf die Idee kam. Von den gesparten Steuern werde ich dir einen Palast bauen, mit einer goldenen Kutsche wirst du durch die Stadt reisen. Gaffen werden sie und deine Gunst suchen!“

Zuvor war es lebensgefährlich Christ oder gar Bischof zu sein. Todesmutig standen sie da und erfreuten sich der Segnungen Gottes. Nach Nicäa wandte sich das Blatt. Die Eigensüchtigen schossen wie Unkraut nach warmem Frühlingsregen auf. Charaktere die der Geld- und Geltungssucht nicht widerstehen konnten rissen das Priestertum an sich. Sie genossen zwar nicht mehr die Privilegien Gottes der inneren Ruhe und Geborgenheit, sondern stattdessen die  handfesten  ihres Kaisers.  

„Ein Posten im höheren Klerikat, speziell die Bischofswürde, offerierte dem Amtsinhaber die Kontrolle über nicht unerhebliche Geldmengen, auch wenn sich diese offiziell nicht im persönlichen Besitz des Bischofs befanden. Natürlich konnte sich der Staat auf Dauer nicht leisten, die für das Eintreiben der munizipalen Steuern verantwortlichen Curialen und deren Güter an die Kirche zu verlieren. So verwundert es nicht, dass im Westen der unter den Kaisern Valentinian III. und Maiorian 439, 452 und 458 Versuche unternommen wurden, das absolute Ordinationsverbot für Decurionen zu reaktivieren“ (12) Jörg Köpke „Die italienischen Bischöfe unter ostgotischer Herrschaft 490-552“, 2006

Als jemand der das Aufkommen des „real existierenden Sozialismus“ in Ostdeutschland hautnah miterlebte, weiß ich, wie das in der Praxis funktioniert, die Gesinnungen von Menschen zu kaufen. Wer in der sowjetisch besetzten Zone „etwas werden wollte“ glaubte sich bald inmitten des Elends der Nachkriegszeit genötigt den Kommunismus zu loben, obwohl er selbst das „System“ lieber laut getadelt, wenn nicht verflucht hätte. Der in Ostdeutschland meistgehasste Stalinist, namens Walter Ulbricht gab schon vor Gründung der DDR (Oktober 1949) Weisungen mittels Geld und andere Privilegien leichtfertige Leute zu locken bei der Errichtung des unnatürlichen Systems mitzuwirken, dem er sowie eine handvoll Gleichgesinnter sich verschrieben hatten. Sie vermochten sich auch deshalb durchzusetzen, weil es im Land die sowjetischen  Panzerkolonnen gab, meist wohl versteckt, aber dennoch immer präsent. Ein einigermaßen gebildeter arbeitsscheuer junger Mann konnte sich auf kurzem Weg bewerben Offizier der Volkspolizei zu werden. Binnen Wochen stieg sein Gehalt, als vorheriger Facharbeiter etwa im Juni 1949, von 200 auf 600 Mark Nettoverdienst. Im Straßenbild erschienen damals  umgehend mehr Offiziere als Mannschaften. Sie ließen sich aushalten und dienten einem Staat der offen unpopuläre Entscheidungen diktierte, wie Zwangsenteignungen und Überwachung sowie durch Verhaftungen Andersdenkender.  Die werteschaffende Bevölkerung zahlte den Gesamtpreis.
So etwa ging es nach Nicäa, konkret nach Verabschiedung des Gesetzes zum Glaubenszwang Cunctos populos 380, im Herrschaftsbereich römischer Legionen reichsweit zu. Unterwerfe dich oder du wirst leiden.

Ähnlich ging bereits Konstantin vor. Er erwarb die Gesinnungen. Damit richtete er die eigentliche  Kirche zugrunde. Das Neue, das er produzierte trug allerdings den Schimmer von Gold und das  mögen viele. Einige wollten sich blenden lassen.
Das Buch Mormon lehrt dagegen:

„Der Arbeiter in Zion (Kirche) soll für Zion arbeiten, denn wenn sie für Geld arbeiten werden sie zugrunde gehen.“  (13) 2. Nephi 26: 31

Nach dem 1. Ökumenischen Konzil zu Nicäa wünschten Viele „Christ“ zu werden, nun da ihnen wegen dieses Schrittes keine Gefahr mehr drohte. Im Gegenteil. Konstantins scheinbar christengünstige Gesetzgebung, lockte nicht nur ehrenwerte Männer ins Verderben. Die Witwen und die Waisen, die Kranken und die Parasiten fühlen sich angezogen. Hinzu kam die sich ihnen darbietende Freundlichkeit und Aufmerksamkeit  die sie in den Gemeinden empfingen. Des Kaisers Erlaubnis Bischöfe dürften sich der Armenkasse seines Imperiums bedienen, führte auch zu fast kostenloser Brotversorgung nicht nur der Bedürftigen. Konstantin wollte zwar, dass die Kirche wächst, denn sie sollte ihm helfen, Ordnung ins Chaos zu bringen. Sie sollte ihm dienen. Aber all die Wohltaten einschließlich der finanziellen Sonderstellung anderer ‚Kleriker’, wollten jetzt immer mehr Leute genießen. Sehr bald erkannte Konstantin, dass ihm ein unerwartetes Defizit drohte. Konsequenterweise schrieb er nur wenige Monate – schon 326 - nach der quasi-Anerkennung der Kirche, 325, samt den nun sichtbaren Folgen, die  „auri lustralis collatio“ aus. Sie wurde als „chrysargyrion“ bekannt und bald berüchtigt. Jeder der ein Gewerbe betrieb musste sie zahlen.

„(Diese) Gold- und Silbersteuer … wurde zunächst alle fünf, im 5. Jh. alle vier Jahre veranschlagt. Libanios beklagte kurz nach 387 n.Chr. die Ungerechtigkeit dieser Gewerbesteuer, die zu großem Leid und Schrecken führte…“

Man bedenke, zu diesem Zeitpunkt galt ausschließlich die katholische Kirche – die Kirche Konstantins – reichsweit! als erlaubte Religion.

„…Handwerker, ... Gärtner, Fischer, zur See reisende Händler, Kaufleute sowohl in der Stadt als auch auf dem Land (vgl. CTh 13, 1, 10) und auch Prostituierte. ...Die Höhe der Steuer berechnete sich nach dem im Gewerbe tätigen Kapital des Betroffenen. Dazu zählten Werkzeuge, Vieh, Sklaven, sie selbst und ihre Familienangehörigen... Zunächst sorgten die Kurialen und hafteten wohl auch für die Eintreibung dieser Steuer bei den Händlern und Handwerkern ihrer Stadt (Gr. Naz., ep. 98), ab 399 sollten sich die Händler dann jedoch geeignete mancipes aus ihrer Mitte zur Steuereinsammlung wählen, damit nicht länger den Kurialen diese Last aufgebürdet würde. Für die Verwaltung der eingegangenen collatio lustralis war der praefectus praetorio, deren Vikare oder Statthalter zuständig (Jones, LRE I, 434). Reiche Fernhändler, die diese Steuer zahlen könnten und sollten, setzten sich über See ab, zurück blieb nur der arme Handwerker mit seinem Werkzeug, mit dem er sich kaum ernähren könne... Hunde setzten die Steuereintreiber den fliehenden Händlern und Handwerkern nach, so dass es sogar vorkam, dass Eltern ihre Kinder in die Sklaverei verkaufen mussten, um die Steuer aufzubringen. Auch Zosimus zeichnete das gleiche Schreckensbild wie Libanios. Immer wenn die Zeit der Steuererhebung näher rückte, so Zosimos, erhob sich Jammer und Wehklagen in jeder Stadt. Die, die aufgrund ihrer Armut nicht konnten, wurden mit Peitschen und Martergerät gefoltert. So kam es, dass Mütter ihre Kinder verkauften und Väter ihre Töchter an Männer feilboten, um den Steuereintreiber das chrysargyrion liefern zu können. Jones hielt nach Auswertung der einschlägigen Quellen trotz der vielen Klagen der Zeitgenossen über die annona die Belastungen durch die collatio lustralis für härter... Wie eine Stelle aus der Vita des Johannes Eleemon schildert, war in Alexandria neben den öffentlichen Steuern und der Miete für den Laden zudem noch ein Handgeld für den Marktaufseher, der diese Gelder eintrieb, üblich. Hinzu kam für die in Kollegien organisierten Handwerker und Händler, zu denen ein Großteil der städtischen Gewerbetreibenden gehörte, die Verpflichtung zur Leistung von munera, deren Durchführung von den Kurialen der Heimatstadt organisiert wurde... Schuhmacher galten offenbar als besonders arme Männer, doch selbst auf ihr Schustermesser als ihr einziges Kapital würde, so Libanius, die Steuer von unerbittlichen Steuereintreibern erhoben (Lib., or. 46, 22).“ (14) Sabine Hübner “Der Klerus in der Gesellschaft des spätantiken Kleinasiens” 2005

 „Durch ein Edikt von 346 wurde wiederum bekräftigt, dass Kleriker keine munera sordida leisten und nicht für die Instandhaltung der Wege und Brücken aufkommen müssten. Allen im Handel tätigen Klerikern wurde wiederum auch die Befreiung von der Gewerbesteuer zugesichert, nun aber mit der hinzugefügten Einschränkung, dass sie mit ihren erwirtschafteten Gewinnen die Armen unterstützen sollten. Dieses Gesetz ist ein erster Hinweis darauf, dass offenbar viele Gewerbetreibende in den Klerus strömten und man einen Missbrauch verhindern wollte. Es ging den Kaisern jedoch nicht darum, mögliche Steuerverluste durch reiche Händler im Klerus zu vermeiden, denn deren erwirtschaftete Überschüsse sollten ja den Bedürftigen und nicht dem Fiskus zukommen. Es sollte aber augenscheinlich verhindert werden, dass sich erfolgreiche und wohlhabende negotiatores allein wegen der Steuervorteile zu Klerikern ordinieren ließen, um fortan abgabenfrei ihre Geschäfte betreiben und noch höhere Gewinne erzielen zu können. … Viele gingen nach ihrer Weihe ihrem Gewerbe auch weiter nach, Diakone und Presbyter ebenso wie Lektoren. Sie dachten vermutlich auch nicht daran, (ihr Gewerbe) aufzugeben.“ (15) Sabine Hübner, „Der Klerus in der Gesellschaft des spätantiken Kleinasiens Fr. Schiller Uni, Jena, 1976

Jesus dagegen hatte sein Prinzip der Selbstlosigkeit seiner Anhänger verbindlich proklamiert:

"Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird  den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon." (16) Matth. 6: 24

       2.2  Heutige kirchliche Strukturen und dominierende Interessen.

Keine Kirche kann auf Geld verzichten.  
Aber: der Unterschied, zwischen der eigentlichen, der Frühkirche und den heutigen Großkirchen  kann größer nicht sein:

-        -  die Christen gaben,
-      -  und die Konstantinianer nahmen. Sie nehmen es bis heute, sowohl als Kirchensteuer, die der Staat einzieht wie auch durch Inanspruchnahmen fragwürdiger „Entschädigungen“ durch den Staat (dessen Einnahmen zu ungefähr 90 Prozent aus den von jedermann zu zahlenden Steuern stammen.) Dies sei ein Ausgleich für Enteignungen in napoleanischen Tagen, immerhin bleibt fragwürdig, auf welchem Weg die Kirche die Ländereien und Vermögen zuvor erwarb.  Expertenschätzungen ergaben, dass die Steuerzahler seit Gründung der Bundesrepublik etwa 15 Milliarden Euro gezahlt haben. (17) Statistik, Bundeshaushalt 2015

Tertullian (160-220) beschreibt, dass es damals ganz anders war:

„dass jeder (Christ)  einmal im Monat gibt, oder wann er will, wenn er überhaupt will, und wenn er kann; denn es wird niemand gezwungen“ (18) Ludwig Hertling SJ, „Geschichte der Katholischen Kirche bis 1740“

Diejenigen die nach Nicäa, 325, Sterbende überzeugten, sie müssten ihre Ländereien und ihr Vermögen wenigstens teilweise „Gott“ schenken, die Urkundenfälscher, die Steuereintreiber, Bettelmönche, Ablasshändler  vieler Jahrhunderte raubten das Geld der Witwen und Waisen. Das kennzeichnete den Abfall vom Ideal. Mehr, es war Abfall von Gott, die Ablehnung seiner Grundsätze in der Realität. Er sah es auch voraus und warnte:

„…sie fressen der Witwen Häuser und wenden langes Gebet vor. Diese werden desto mehr Verdammnis empfangen.“ (19) Markus 12: 40

Christus konnte sein Reich nicht gemeinsam mit den Geistlichen des pharisäischen Judaismus aufbauen, obwohl es fraglos positiv hervorragende Leute unter ihnen gab: denn „sie wenden lange Gebete vor…“ das nannte der Herr selbst „Heuchelei“. Er gab die strikte Weisung, den „Sauerteig der Pharisäer zu meiden, die da ist die Heuchelei.“   (20) Lukas 12: 35

Das war kein gutgemeinter Ratschlag, sondern ist ein Gebot. Erschütternd für Nachdenkliche ist, in welchem Ausmaß das konstantinische Denken noch das 21. Jahrhundert dominiert. Zusätzlich zu Entschädigungszahlungen nehmen die Großkirchen, was sie bekommen können:
Kirchenexperte Carsten Frerk erklärte auf Nachfrage des "Spiegel" die Lage am Beispiel von Bayern: 

„Die sieben Bistümer des Freistaats haben jährliche Kircheneinnahmen von rund 1,2 Milliarden Euro, trotzdem zahlt das Land (der Staat) die Gehälter von beispielsweise fünf Bischöfen und zwei Erzbischöfen, zwölf Weihbischöfen, 60 Kanonikern sowie 33 Erziehern an bischöflichen Priester- und Knabenseminaren.
In Bayern flossen dafür allein im vergangenen Jahr 65 Millionen Euro vom Freistaat an die katholische Kirche, hinzu kamen 21 Millionen für die evangelischen Kollegen. Auch Baden-Württemberg zeigte sich gegenüber den Geistlichen großzügig: Je 49 Millionen zahlte das Land 2009 an die katholische und die evangelische Kirche.
Im protestantischen Norden fallen die Zahlungen etwas geringer aus, sind aber trotzdem beeindruckend: Die evangelische Kirche erhielt vom Land Niedersachsen 30 Millionen Euro, die Katholiken 7,6 Millionen Euro. Insgesamt zahlte Deutschland im Jahr 2009 mehr als 442 Millionen Euro für kirchliche Personalkosten. Die Empfänger der Gehälter finden das nicht unangebracht, sondern selbstverständlich"

Aus diesen Reihen kommen zeitgleich die seltsamsten Verleumdungen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, offen oder verdeckt.  
Die Verweltlichung wurde damals forciert indem weitere antike Kaiser bestimmten was christlich und was verboten ist. Es entstanden Strukturen die mit dem Original kaum noch etwas gemeinsam haben. Das Fortleben des Geistes der Cäsaropapisten ist offenbar.

Die Kraft die vom ursprünglichen Christentum ausging sollte die Menschen der Kirche stärken, nicht den Staat. Eben dies wollte Christus unterbinden.
Schlau wie die römischen Kaiser waren, spannten sie die Geistlichen der Kirche mit aufmunternden Worten und Verheißungen vor ihren Karren.  Die ganz Klugen der Kirche lernten im Verlaufe der Zeit selbst die Ärmsten nahezu aller Staaten auszubeuten. Das „goldene“ Zeitalter des überfrommen Spanien, zwischen 1500 und 1600 bezahlten die „bekehrten“ Indianer Mittel- und Südamerikas. Silberflotten segelten das erpresste Inka- und Aztekengold herbei. Dieser Reichtum zauberte allerdings keine Supergetreideernten hervor und auch keine Konsumgüter. Spanien stürzte bis 1600 mitsamt dem Raubgold dreimal in den Staatsbankrott.
Wie konnte all das passieren?
Schritt für Schritt! Paso a paso.  Bald hielten es selbst die besten Priester für selbstverständlich, dass sie vom Staat besoldet wurde. 
Vor allem in Deutschland ist das bis heute so.

Sie bemühen sich in der Gunst des Staates zu stehen und zu bleiben. Wenn es um die Bewertung des Wahrheitsgehaltes der Lehren etwa der Mormonen geht, ist vielen Geistlichen ihr eigenes Wohlergehen, die Sicherung ihrer momentanen Vorrechte wichtiger als die Verteidigung jener Ideale für die sie eigentlich einstehen sollten. Sie wenden lange Gebete vor, zugleich sind sie es die den Mormonenmissionaren als eiserne Wand entgegenstehen: „Mormonen sind die mit den vielen Weibern!“ Ratsch! Out!
Aber, das steht fest, diese jungen Leute erhalten außer von ihren Familien keinen Pfennig für ihren Dienst. Sie sind Vorbilder an Idealismus - und! Die Behauptung sie verkündeten religikösen UNSINN ist eine Lüge, gegen deren Verbreitung sich nur selten großkirchliche Geistliche wenden.

Eben, um all das klar zu belegen entsteht dieses Buch. Unwiderleglich wird hier aus den Resultaten internationaler Geschichtsforschung erklärt, dass der verfemte "Mormonismus" nicht mehr und nicht weniger ist, als das Spiegelbild der Frühkirche, in all ihren Facetten und Details.
Als eine Schande ohnegleichen hat sich infolge weltweiter Forschung herausgestellt, dass insbesondere die urkirchliche Lehre vom voriridischen Dasein aller Heutemenschen aus politischen und finanziellen Gründen bereits im sechsten Jahrhundert verflucht und eliminiert wurde.


Da liegt der Schwerpunkt, in der Kumpanei großkirchlicher Theologie mit den Ideen von Verbrechern des Typs Justinian, der nach dem Urteil seines Biografen Prokop "Blut wie Wasser vergiessen konnte."

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Geschichtskritische Betrachtungen aus dem Blickwinkel eines Mormonen - (5) 1.5 Unnötige Kontroversen zwischen Paulus und Petrus (5) G. Skibbe


          1.5   Unnötige Kontroversen zwischen Paulus und Petrus

1.5.1 Die „Gemeinsame Erklärung der Evangelischen und Katholischen Kirche von 1999
    
Einige Bemerkungen im Vorab:
Wegen der Frage ob getaufte Juden Tischgemeinschaft mit getauften Nichtjuden haben dürften, entstanden in den 60er Jahren Differenzen, die seitens des „Heidenapostels“ Paulus noch vergrößert wurden, indem er die Botschaft von Christus scheinbar auf „die alleinseligmachende Gnade Gottes“ reduzierte. Das konnte Petrus nicht unkommentiert stehen lassen. Im Gegensatz zu Paulus der grob werden konnte, verlor Petrus nie den Geduldsfaden. Er tadelt Paulus sehr behutsam, wie im Folgenden gezeigt wird.
Die Behauptung einiger Theologen, Petrus könne nicht der Verfasser  der nach ihm benannten beiden Briefe sein, ist unhaltbar.  Die folgende Schlussfolgerung ist keineswegs überzeugend.
„In 1. Petr 1,1 stellt sich Petrus zwar als Verfasser vor, ganz ähnlich wie im 2. Petrusbrief, wo er sich als Simon Petrus einführt (2. Petr 1,1). Aber der Brief ist in einem vorzüglichen Griechisch geschrieben. Hier ist sicher die Frage erlaubt, ob man so etwas vom historischen Petrus wirklich erwarten darf.
Auch zitiert der Verfasser durchgängig die Septuaginta, also die griechische Bibelübersetzung. Petrus hat aber mit großer Wahrscheinlichkeit die hebräische Bibel gelesen. Er hätte Bibelzitate dann doch wohl auch vermutlich in einer eigenen und deshalb freieren griechischen Übersetzung gebracht.

Und dann stellt sich der Verfasser in 1 Petr 5,1 überraschenderweise als Presbyter vor.“ (46)  Dr.Joerg Sieger – Einleitung in das Neue Testament.


Erstens: Petrus hielt sich als  Haupt der Kirche, in Antiochia (Antioch) auf, - der orthodoxen Überlieferung nach seit 42 - also im griechischsprachigen Raum.  Dort amtierte er mindestens noch in den 50er Jahren. Petrus leitete die Kirche vom Zentrum des Geschehens der missionierenden, sich rasch ausdehnenden Großgemeinde. Ein Leiter solcher Kirche empfängt täglich Informationen. Er muss letztlich im Fall wichtiger Lehrdifferenzen eingreifen und Entscheidungen bei strittigen Amtsbesetzungen treffen, ungerechtfertigte Exkommunikationen korrigieren, fragliche Bischofsordinationen in Betracht ziehen. Die Transportwege für Nachrichten und Weisungen vom östlichen Rand der Kirche zur Peripherie im Westen hätten sich ums Doppelte verlängert.
Notwendigerweise verfügte er über mindestens einen sprachkundigen Sekretär. Es ist eher unwahrscheinlich, dass er den Mitgliedern Hinweise und Belehrungen in Hebräisch gegeben hätte, zumal alle gebildeten Juden auch Griechisch verstanden.  
Er kann auch nicht in den 40er Jahren oder irgendwann später Bischof von Rom gewesen sein, wie die auf jeden Fall geschönte römisch-kath. Papstliste behauptet.
„…Bücher anerkannter römisch-katholischer Gelehrter „Saints and Sinners“ von Dr. Eamon Duffy von der Cambridge Universität und „The Catholic Church“  von Dr. Hans Küng von der Universität Tübingen liefern uns gleichlautende Berichte über das Aufkommen der Vorstellung von einer päpstlichen Vorherrschaft und über das Dogma der apostolischen Sukzession seit Petrus. Beide erkennen an, dass nichts im Neuen Testament Petrus mit Rom in Verbindung bringt. Die Bibel offenbart, dass der Apostel Paulus den Römerbrief geschrieben hat, und Paulus erwähnt Petrus noch nicht einmal bei all den Grüßen, die er über 20 Geschwistern in Rom sendet (Römer 16). Als Paulus ca. 60 n.Chr. nach Rom kam, erfuhr er, dass die Obersten der Juden dort noch nicht einmal vom Evangelium Jesu Christi und dem Reich Gottes gehört hatten (Apostelgeschichte 28, 17-24). Wäre Petrus zu jener Zeit bereits seit Jahrzehnten der Bischof von Rom gewesen, wäre ihnen dann wirklich die Botschaft Christi unbekannt gewesen? Die Idee, dass Petrus in Rom war, ist eine aus dem zweiten Jahrhundert stammende Vorstellung, die im vierten Jahrhundert populär wurde, nachdem Konstantin das Christentum zur offiziellen Staatsreligion des Römischen Reichs erklärt hatte. Die Gelehrten Duffy und Küng zeigen auf, wie die Bischöfe von Rom eine gemeinsame Anstrengung unternommen haben, um die Vorherrschaft über andere Kirchen zu erringen, indem sie eine Reihe von Behauptungen aufstellten. Irenäus von Lyon stellte eine Liste zusammen, die angeblich die Leiter der römischen Kirche bis zurück zu Petrus und Paulus zurückverfolgte.
Dr. Küng erklärt: "Bischöfe der Katholischen Kirche sind (wie die der Anglikanischen und der Orthodoxen Kirchen) daran interessiert, sich selbst als ‚Nachfolger der Apostel' zu bezeichnen… [doch]… es kann nicht bestätigt werden, dass die Bischöfe im direkten und ausschließlichen Sinn ‚Nachfolger der Apostel' sind… die früheste Liste von Bischöfen [von Irenäus zusammengestellt]… ist eine Fälschung aus dem zweiten Jahrhundert" (47) (Küng, Seiten 30-31). Douglas S. Winnail „Päpstliche Vorherrschsft“, 2009
Indirekt bestätigen andere katholische Quellen den Trend dieser Feststellungen:
„Das Fest der Kathedra Petri, also des Bischofsstuhls des Papstes als Stellvertreter Christi auf Erden, dient dem Gedenken des besonderen Hirtenamtes des Papstes, das Christus dem Petrus übertragen hat. Es ist in Rom schon Mitte des 4. Jahrhunderts bezeugt. Seit dieser Zeit wurde nachweislich ein aus Antiochia stammender Stuhl gezeigt, auf dem Petrus sein Hirtenamt ausgeübt haben soll.“  (48) Martyrologium Sancrucense

1
Petrus hl.
33(?)–67(?)
2
Linus hl.
Römisches Reich
67(?)–79(?)
Historizität ist nicht gesichert.
3
Anaklet hl.
Römisches Reich, Rom
79(?)–88(?)
Historizität ist nicht gesichert.





















Die Syrisch-orthodoxe Kirche führt Petrus in ihrer Liste der Patriarchen Antiochias obenan. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass Petrus fernab der kirchlichen Zentren Jerusalem und Antiochia zusätzlich zu seinen Leitungspflichten über sämtliche Gemeinden bis Indien, die Last der Leitung einer Gemeinde – als Bischof von Rom -  tragen wollte oder sollte, zumal in Babylon (ἐν Βαβυλῶνι).
Petrus könnte sich besuchsweise in Rom aufgehalten haben.
Überhaupt sind alle Daten bis Hippolyt (etwa 220) nicht belegt, wie die offizielle Papstliste bestätigt.

Zweitens: nutzten die Christen des Gebietes in dem Petrus wohnte und amtierte die Septuaginta.
Drittens: alle würdigen Männer trugen das höhere Priestertum und waren damit Älteste. (vom griechischen πρεσβύτερος, presbýteros, „Ältester“)
Auch die Mitglieder der Ersten Präsidentschaft der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage  sind Älteste. Joseph Smith, der damalige Präsident wurde bekanntlich „der erste Älteste“ genannt.
Hier ist ein weiterer Einschub unerlässlich:
Nachdem Konstantin die Kirche in den Rang einer staatlichen Institution „erhob“ erschwerte er den Zugang zum Priestertum durch jedermann (schon wegen der Steuerbefreiung die christlichen Priestern zugesprochen wurde)
Allem Anschein nach trugen, wegen des urchristlichen Gleichheitsgrundsatzes, bis 325, alle als würdig betrachteten Männer über 13 das Priestertum, wenn auch unterschiedliche Grade:
„Der Bischof bestimmt den in der Gemeinde zum Presbyter, (Ältesten oder Priester G.Sk.) der sich nach seiner Ansicht für dies Amt eignete, und der ihm gefiel oder dem sein Märtyrertum von vornherein diese Würde verlieh... Bei der Ordination von Diakonen durch den Bischof verspricht dieser, wenn der Diakon tadellos gedient hat, kann er später „das erhöhte Priestertum" empfangen... Noch „waren die Bischöfe einfach die Vorsteher im Kreis der Ältesten und hatten keine besonderen Rechte...“  (49) Jungklaus, „Die Gemeinde Hippolyts dargestellt nach seiner Kirchenordnung“
 
Der westliche Wirkungsbereich der ersten Apostel um 70 n. Chr.


Der Tenor der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre vom 31. Oktober 1999" lautet:  Du musst dich nicht anstrengen deine Religion zu leben. Du hast vor Gott nur die Pflicht auf ihn zu vertrauen. Da, im erwähnten Papier, heißt es: 


"Wir werden umsonst erlöst... Rechtfertigung geschieht allein aus Gnade... sola gratia." 


Das hat Christus nie gelehrt. Er setzte die Kriterien der Erlösung. Sie finden in der Erklärung keine Erwähnung.

Angesichts der wachsenden Bedrohung unserer angeblich christlich orientierten Welt durch rabiate Islamisten stehen wir allesamt in der Pflicht, mit den uns von Gott verliehenen Talenten zu "wuchern", "unser Licht leuchten zu lassen"... wir haben "das Salz der Erde" zu sein. Wir haben zu verinnerlichen, dass wir "alles was wir einem Geringen getan haben, ihm antun"... Wir haben die Gefangenen zu besuchen und sie herauszuholen aus ihrem Elend.

Das wir dies tun müssen, um letztlich vor Gott gerechtfertigt dazustehen kommt in der sogenannten Rechtfertigungslehre nicht zum Ausdruck. Im Gegenteil. 


Bewusst oder nicht wird dort verdrängt, dass Luther noch klar betonte, dass wir einmal vor Gott zu verantworten haben, was  wir angerichtet haben. 

 In den vielen Sätzen dieser "Erklärung" kommt Jesus nicht zu Wort - außer in einem völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat, das Petrus und seinen rechtmäßigen Nachfolgern die Vollmacht verleiht, Sünden zu vergeben -. 

Die "Gemeinsame Erklärung" beruft sich wieder und wieder auf Paulusbekenntnisse.

Aber es ist nicht einmal lupenreiner Paulinismus der da verkündet wird. Denn diesen Paulussatz: "Irret euch nicht, was der Mensch sät, das wird er ernten!" (50) Galater 6: 17 unterschlägt die Erklärung.

Dieser Satz jedoch relativiert sämtliches Schrifttum Pauli!


Weil das der Fall ist, wurde er ausgeklammert. Doch die Aussage, dass der Mensch ernten wird was er sät, ist auch logisch unanfechtbar.

Man muss, manchmal sehr mühsam, Gutes säen.

Die Konsequenz der "Erklärung" lädt dagegen geradezu zur Faulheit ein, zum Nichtstun, während die Gebote Christi generell lauten: Bemüht euch! z.B. um eure Vervollkommnung. Wörtlich und im Zentrum der Bergpredigt steht darum jene große Aufgabe festgeschrieben, die ganz und gar nicht ins Konzept des Protestantismus passt:


"Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel, vollkommen ist!"


Hier handelt es sich jedoch nicht um ein rhetorisches Element einer Predigt, sondern um ein Gebot Christi! 
Fest steht: ein um Perfektion bemühter Artist muss täglich sechs bis zehn Stunden harte Arbeit leisten.


Der Heidenapostel Paulus  wurde allerdings ohne sich darum bemüht zu haben Christ, Gott selbst rief ihn an. Er hat ausnahmsweise auf diesem Weg erfahren, dass er in die falsche Richtung gelaufen war.

Dieser Fall kann und darf aber nicht verallgemeinert werden.


Das hätte Paulus sich sagen müssen. Er stellt stellenweise die damalige Kirchenlehre in Frage: "bemühe dich Licht zu erlangen", indem er wiederholt verkündet: er selbst sei aus reiner Gnade von Gott aus dem Irrtum und Dunkel der Ablehnung herausgerissen worden... und so überhöht er den Begriff Gnade.  

Gnade, Gnade, Gnade. Sola gratia!  

Petrus der Präsident der noch jungen Kirche ist empört, dass Paulus - "unser geliebter Bruder Paulus" mit bedeutenden Begriffen, wie diesem, recht missverständlich umgeht. Weitsichtig ist er verärgert darüber, dass Paulus nicht ganz unschuldig daran ist, wenn Spätere folgenden Widersinn zu Papier bringen: 




Petrus Gnadenverständnis unterscheidet sich von dem seines Juniorpartners erheblich. Das muss er korrigierend aussprechen. Er, Petrus ist die, von Jesus eingesetzte "Säule" der Kirche, nicht Paulus. Petrus hat in Sachen Theologie das letzte Wort.

Er weist den übereifrigen Mann, wenn auch sehr behutsam, zurecht. Um zu definieren was die Kirche unter dem Begriff "Gnade" verstehen soll erläutert Petrus:


"... wenn ihr um guter Taten willen leidet und es ertragt,  das ist Gnade bei Gott.

Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand;..."  (51) 1. Petrusbrief 2: 2-25


In Christi Fußtapfen gehen ist Gnade... 

Petrus wird sich sehr zusammen genommen haben, nicht aus der Haut zu fahren, eben weil Paulus verallgemeinert, was nicht verallgemeinert werden darf.  Denn wie der Trend des Judentums, war seines Herrn Lehre, die des Tuns des Guten. Allerdings bestand das jüdische Verstehen vom Tun des Guten, nicht wie bei den Christen darin Ketzer zu köpfen, wie an Bischof Priscillian im Jahr 385 geschehen, oder etwa darin eine ganze Gemeinde auszurotten weil sie urchristlich glaubte, wie 366, unter aktiver Teilnahme des Papstes Damasus zu Rom geschehen. 


Jahrelang begleitete Petrus seinen Christus. Er hatte jedes Wort und seinen Geist in sich aufgesogen. Kaum jemand kannte, wie er, die ewig gültigen Prinzipien des Erlösers.  Er schreibt entschieden und zugleich sehr um Versöhnung bemüht:


Seid überzeugt, dass die Geduld (griech. ypomoni) unseres Herrn eure Rettung ist. Das hat euch auch unser geliebter Bruder Paulus mit der ihm geschenkten Weisheit geschrieben; es steht in allen seinen Briefen, in denen er davon spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen und die Unwissenden, die noch nicht gefestigt sind, verdrehen diese Stellen ebenso wie die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben.” (52) 2. Petrus 3: 15-16


Petrus kennt den Begriff Gnade sehr wohl, verwendet ihn hier aus guten Gründen nicht. Petrus geht sehr weit. Er warnt. Paulus Trugschluss führe unweigerlich ins Verderben. Wegweisend fand er für den ersten Satz einen Begriff der die Erwartungshaltung Gottes einschließt: wir könnten mehr tun. Der Herr warte auf dieses unser Guttun mit schier unglaublicher "Geduld". 

Jakobus, dagegen, des "Herren Bruder" konnte Paulus ständige Überbetonung einer durchaus wichtigen Lehre - wenn sie im Licht der Bergpredigt betrachtet wird - nicht mehr hören. Verärgert fragt er zurück: Soll daraus folgen, gute Taten wären zur Erlösung nicht nötig? Jakobus schreit die Antwort: "NEIN!" , geradezu heraus:


 "Willst du aber erkennen, du eitler Mensch, dass der Glaube ohne Werke tot sei?" (53) Jakobus 2: 20


In seinem Brief an die Galater reagiert Paulus, sei es auf schriftliche oder mündliche Hinweise schließlich. Er korrigiert sich, sieht sich plötzlich in der Pflicht Missverständnissen vorzubeugen und schreibt - nun unmissverständlich - :

„Irret euch nicht, was der Mensch sät, das wird er ernten.

Das Nichttun, - die Kontemplation, das Nichtsdazutun - sowie jede Art von Lehre der Idee vom "Nichtsdazubeitragenkönnen" betrachtet Petrus  als eine ins Verderben führende Lebenseinstellung.

Wie Paulus geht es ihm um die Frage der persönlichen Erlösung. Für Petrus allerdings ist es eine massive Irrlehre etwas zu verkünden, dass zur Annahme führen könnte, der bloße Glaube an Christus genüge um den schuldig gewordenen Menschen freizusprechen. 

Eben diese von Petrus verworfene Geisteshaltung und Philosophie wird fast anderthalbtausend Jahre später Martin Luther aus seinen persönlichen, durchaus nachvollziehbaren Gründen zur Basislehre seiner Theologie erklären.

Sie wird zwar den Protestantismus hervorbringen aber ihn zugleich in die offensichtliche Bedeutungslosigkeit treiben.


Natürlich kann man Martin Luther verstehen: er hatte vom Tun her geleistet was er konnte... und fühlte sich dennoch verdammt. In den vielen Jahren seiner Zeit als Augustinermönch war er überstreng mit sich selbst umgegangen und war bemüht alles zu halten was die Ordensregeln - aber nicht Christus - von ihm verlangten:


"Wahr ist's, ein frommer Mönch bin ich gewesen und habe so gestrenge meinen Orden gehalten, dass ich's sagen darf: Ist je ein Mönch gen Himmel kommen durch Möncherei, so wollt' ich auch hinein kommen sein. Das werden mir bezeugen alle meine Klostergesellen, die mich gekannt haben. Denn ich hätte mich, wo es länger gewähret hätte, zu Tode gemartert mit Wachen, Beten, Lesen und anderer Arbeit."


Da fühlen wir alle in liebevoller Weise mit ihm und stehen an seiner Seite, denn vor und zu seinen Zeiten wollten die Christen durch ‚besonders gute Taten’ Erlösung finden, nämlich in Pilgerreisen, im Reliquienerwerb (die ohnehin überwiegend Falsifikate darstellten), in der Teilnahme an endlosen Kreuz- und Kriegszügen gegen Islam, Heiden-, Ketzer- und Judentum. Das Gutsein bestand aus Kasteiungen, langanhaltenden Wiederholungen gewisser Floskeln, im fast pausenlosen "Vater-unser" Geplapper und im geradezu blinden Gehorsam gegenüber jeweiligen kirchlichen Vorgesetzten. Das waren weder Guttaten noch waren sie wünschenswert.


Aber dann fiel Bruder Martin ins andere Extrem mit Verneinung der Fähigkeit des Menschen zu seiner Erlösung beizutragen. Was dabei praktisch an Gleichgültigkeit vieler Gläubigen herauskam ist unübersehbar negativ.


Ganz anders Joseph Smith:
Er sagte er habe zuvor Gott um Erkenntnis gebeten und dann seien ihm diese Worte offenbart worden:


"Wahrlich (der allmächtige Gott, Schöpfers Himmel und der Erde) sagt: Die Menschen sollen sich voll Eifer einer guten Sache widmen und vieles aus ihrem eigenen, freien Willen tun und viel Rechtschaffenheit zustande bringen; denn die Macht ist in ihnen, wodurch sie für sich selbst handeln können." (54) Lehre und Bündnisse 58:27


Auch 


" für Erasmus (von Rotterdam) war es schon aus pädagogischen Gründen nicht anders

denkbar, als dass der Mensch durch seinen freien Willen an seinem Heil mitwirkt. Luther

dagegen war im Hinblick auf die sittlichen Möglichkeiten des Menschen äußerst pessimistisch.

Für ihn hing alles allein von der freien Gnade des allmächtigen Gottes ab, die für ein auch noch so geringes Mitwirken des Menschen am Heil keinen Platz ließ."  (55)  Thomas Martin Schneider "Freiheit bei Martin Luther"



Diese Einstellung ist die Linie der offiziellen evangelischen Kirche Deutschlands. Auch weil "Mormonismus" dem entgegensteht, verurteilen gewisse Exponenten des Protestantismus die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Origenes (185-265) beteuerte ebenfalls wie Joseph Smith und damit völlig anders als Luther, der immer von der eigenen Erfahrung ausgeht, aber eben nicht berücksichtigt, dass die Forderungen seines Ordens andere waren, als die des Christus die er in der Bergpredigt formuliert hatte. Der große Alexandriner (Origenes) verkannte keineswegs die Rolle der Gnade Christi, doch er lehnte jede Übertreibung konsequent zurück: 


„Zwar sind alle Geschöpfe ganz auf Gott angewiesen, eigene
Anstrengungen werden durch seine Gnade weit überwogen. Aber die
Vorsehung hat alle Regungen des freien Willens von Ewigkeit vorausgesehen
und eingeplant, und sie werden gerecht vergolten.“
 (56) Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft ... Mohr - Siebeck, 3. Auflage



Das ist ausgewogener, verständlicher Klartext. Er erregt keinen Widerspruch.

Wären die Großkirchen bei Origenes geblieben dann hätten sie sich nicht dermaßen arrogant gegen Christus verhalten, indem sie, gleich nach der staatlichen Anerkennung des Katholizismus, im 4. Jahrhundert, alles Menschenmögliche unternahmen - und zwar jahrhundertelang -, die Freiheit der Kinder Gottes zu vernichten!   

Weil sie es taten rief der allmächtige Gott die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, 1830, erneut ins Leben. ER restaurierte was Menschen verdarben.